Pflegeheim Mauren Liechtenstein

Jahr
2015
Typ
Pflegeheim / Betreutes Wohnen / Eingeladener Wettbewerb
Bauherr
LAK Liechtensteinische Alters- und Krankenhilfe
BGF
7.650qm

LAK Pflegeheim „St. Peter und Paul" Mauren

In Zusammenarbeit mit Prof. Dirk R. Blomeyer

Die städtebauliche Situation wird durch die Neuplanung als offene Bauweise mit zwei markanten klaren quadratischen Baukörpern definiert. Sie stehen ruhig im Kontext der Nachbarbebauung. Die beiden Baukörper sind zueinander versetzt, so dass die sich aus der Bauaufgabe ergebenden Bauvolumen in der dörflichen Struktur in ihrer Massivität zurücktreten. Sie sind nicht nur in der Flucht zueinander versetzt und bilden damit einen offenen Raum mit Vorplatz und Gartenflächen, sondern betten sich auch optimal in die Topografie des Geländes ein, da sie in der Höhe zueinander gestaffelt sind. Dieses ermöglicht eine barrierefreie Erschließung aller Bereiche, sowie eine optimale Belichtung und Belüftung aller Funktionseinheiten.

Die äußere Erscheinung orientiert sich am Maßstab der umliegenden Bebauung. Die gewählte sachliche Form und Architektursprache ergänzt die vorhandene Bebauung ohne aufdringlich zu sein. Die ausgewählten Materialien sind angemessen für eine Wohnbebauung (Holzfassadenelemente mit traditionellem Bezug und helle Sichtbetonverkleidungen). Die Wahl der Materialien wird durch den lokalen Witterungsbezug geprägt und ist unter Nachhaltigkeitsaspekten auch wirtschaftlich nachweisbar, insbesondere sind hier auch Folgekosten optimiert.

Die Eingangssituation ist eindeutig und repräsentativ mit einer Vorfahrt im Eckbereich gelöst. Diese kann auch für Anlieferungen genutzt werden. Die Idee ist hierbei, dass der gesamte betriebliche Verkehr (Anlieferung des täglichen Essens und der Waren) von den Bewohnern beobachtet werden kann und somit für Ablenkung und Kurzweil sorgt. Der Rhythmus des Alltags, geprägt durch die verschiedenen Lieferungen von Essen und anderen Waren, wird somit für die Bewohner erlebbar. Zur Erschließung der Tiefgarage wird die natürliche Höhenentwicklung genutzt und dadurch eine lange Rampe vermieden. Die Tiefgarage bildet durch die natürliche Belichtung und Belüftung einen repräsentativen zweiten Eingang zum Haus und ist über die Anbindung an den Erschließungskern optimal an das Haus angebunden, ohne großen technischen Aufwand.

Durch die gewählte rationelle Grundform und die Lage der Erschließung im Schnittbereich der beiden Baukörper entsteht eine einfache und übersichtliche räumliche Organisation. Diese ermöglicht es, die Pflegebereiche optimal miteinander zu organisieren und die Verwaltung und anderen Nebenflächen funktional mit einzubinden. Der Entwurf ist durch kurze Wege geprägt.

Die Anordnung der Pflegebereiche um die Höfe ermöglicht einen traditionellen Tagesablauf für Bewohner und Mitarbeiter, die dadurch eine hohe Präsens in diesen öffentlichen Bereichen erhalten. Ein „Normalitätscharakter" kann sich hier schnell einfinden. Es entstehen eigenständige Pflege und Funktionseinheiten. Der runde und der quadratische Innenhof bilden mit dieser formalen Unterschiedlichkeit dabei jeweils eine starke Orientierungshilfe mit heller, freundlicher und einladender Ausstrahlung. Zugleich sichern sie aber auch Privatheit jeweils in der Aufenthaltszone als zentralen Lebensort. Verkehrsflächen werden gleichzeitig Aufenthaltsflächen. Der Brandschutz ist durch transparente Rauchabschnitte einfach gelöst.

Die Innenhöfe können überdacht werden, sodass eine Minimalfläche an Außenfassade entsteht. Darüber hinaus sind diese Bereiche Klimazonen, die witterungsunabhängig zur täglichen Mobilisierung der Bewohner optimal genutzt werden können.

Die Funktionsbereiche wie die zentrale Küche können offen gestaltet werden und den Bewohnern einen optischen Bezug zu den Aktivitäten ermöglichen. Die Betriebsabläufe sind durch die Anordnung zentral angebunden und garantieren den autonomen Betrieb der Wohngruppen. Die logistische Erschließung ist auch optimal von Außen, bzw. über die Tiefgarage nachgewiesen! Die Lichthöfe ermöglichen auch die natürliche Belichtung der Nebenräume im unteren Geschoss und sorgen damit für eine hochwertige Aufenthaltsqualität für die Mitarbeiter.

Die Primärstruktur ermöglicht eine rationelle Bauweise und einfache, wirtschaftliche Bauart. Entsprechend einer Stahl- Beton-Skelett-Konstruktion können in Abstimmung ansatzweise flexible Grundrisse gestaltet werden, die auch bei Veränderungen im Nutzungsprofil eine Flexibilität bieten, als eine bauwirtschaftliche Lösung mit Kosten-Nutzenverhältnis.

Die Bewohnerzimmer bilden das private Zentrum der Wohneinheiten. Sie sind alle von der Grundstruktur identisch und wiederholen sich. Die Bäder können somit hochwertig und schadensfrei vorgefertigt werden. Die Wohnatmosphäre ist durch ein zentrales, großzügiges Fenster charakterisiert, welches auf Sitzhöhe eine „nutzbare Erweiterung" des sonst sehr wirtschaftlich optimierten Wohnraumes mit der Perspektive nach Außen darstellt. Der außenliegende, mobile Sonnenschutz aus Holz unterstreicht den wohnlichen Charakter und ermöglicht individuelle Nutzungen des "Sitzfensters", welches durch die Heizung unterhalb des Fensters auch in den kalten Jahreszeiten beliebter Aufenthaltsbereich sein wird. Die Reinigung kann unproblematisch von innen erfolgen.

Die Innenausstattung im Aufenthalts- und Wohnbereich der Bewohner zeichnet sich durch die Auswahl praxistauglicher und beständiger Materialien aus. Hier sollten Holzfarben und Oberflächen den überwiegenden Wohncharakter prägen. Handläufe in den Laufbereichen der Bewohner unterstützen die Sicherheit ebenso wie das schattenfreie Tageslichtkonzept, welches insbesondere über die Lichthöfe als zentralen Orientierungspunkt konzipiert ist.

Die Außenflächen sind alle hindernisfrei, aber auch als geschützte Therapiegärten mit saisonaler und regionaler Bepflanzung sehr gut erschlossen. Terrassen können im EG im Café-Bereich angebunden werden. Rampen und Treppen betten sich in die Topographie ein und werden zum Übungsparcours, Höhenversprünge bilden Sitzbänke und Pflanzbeete. Eine umfassende niedrige Mauer schützt die Bewohner.

Die Dachflächen sind begrünt und unterstützen ein optimales Klima, insbesondere im Sommer. Die Technik wird jeweils zentral im Bereich der Erschließungskerne im Dach angeordnet um kurze Wege von Leitungsführungen zu gewährleisten. Sie sollten aus optischen Gründen begrünt umzäunt werden.